Lernen im „Hochsicherheitstrakt“ des Kultusministeriums

 

 

Eine gute alte Tradition setzten die beiden zehnten Klassen der Grund- und Mittelschule Pressig fort. Wie seit mehr als einem Jahrzehnt üblich saßen  Schüler des Mittlere-Reife-Zuges auch in diesem Jahr wieder  auf den Stühlen der Regierung in der Staatskanzlei. Zuvor wurden zwei Ministerien in Augenschein genommen. Nach nahezu 20 Stunden ging ein ereignisreicher Tag zu Ende.


Bereits um fünf Uhr morgens ging die Reise in Pressig los, denn der Weg zum „Lernort Staatsregierung“ ist aus Oberfranken besonders weit. Nach nahezu fünfstündiger Fahrt trennten sich die beiden Klassen am Odeons-platz. Die Klasse 10aM begab sich mit ihrem Lehrer Bernd Jungkunz ins Landwirtschaftsministerium, während sich die 10bM sich in Begleitung von Andre Preuß und Thomas Müller auf den Weg ins neu geschaffene Staatsministerium für „Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst“ machte. Beide Gruppen wurden um 9.45 Uhr von ihren Betreuern mit einer kleinen Stärkung begrüßt.

 

Andreas Kolitsch, der den Besuch der 10bM im Kultusministerium begleitete, war bis 1999 selbst als Lehrer an einem Gymnasium tätig. Seitdem betreut er jeden Tag eine neue Klasse bei ihrem Einstieg in die Landespolitik.

 

Zu Beginn des Vortrages zeigte er auf, welch große Aufgaben auf Ludwig Spaenle warten. Bisher war dieser „nur“ für die Bereiche Unterricht und Kultus zuständig. Doch Bildung ist mehr: Sie umfasst auch Lernprozesse außerhalb der Schule, z.B. im Elternhaus oder im Kindergarten. Daneben fallen auch die Religion, Universitä-ten, Museen, Theater, Opernhäuser und Ähnliches in sein Ressort. So erklärten sich auch die Größe des Ge-bäudes und die Tatsache, dass darin um die 700 Menschen beschäftigt sind.

Der herrliche Gebäudekomplex rund um die Theatinerkirche war früher ein Kloster. Als dem damaligen Kur-fürsten und seiner Frau nach langem Warten endlich ihr Sohn Max Emanuel geboren wurde, lösten sie ihr Gelübde ein und stifteten ihn der Kirche. Im Jahr 1803 wurde er vom Staat konfisziert und bildete seitdem den „Kern“ der bayerischen Regierung. Heute beherbergt er mit dem Kultusministerium nur noch einen Teil der Staatsregierung.

 

Drei Politiker führen die oberste Landesbehörde im Erziehungswesen, die nahezu 3000 Schulen, 1,8 Millionen Schülern und um die 130.000 Beschäftigten vorsteht. Am 10. Oktober 2013 wurde Ludwig Spaenle in seinem Amt als Staatsminister bestätigt. Zur Seite stehen ihm aufgrund der Größe des Aufgabengebietes jetzt sogar zwei Stellvertreter. Staatssekretär Eisenreich kümmert sich dabei um das Schulwesen und Staatssekretär Sibler ist für die Bereiche Wissenschaft und Kunst verantwortlich.

 

Apropos „Verantwortung“: Diese tragen ausschließlich diese drei Politiker, auch wenn – wie bereits erwähnt – eine große Anzahl an Beamten die alltägliche Arbeit verrichtet. Für auftretende Fehler müssen sie den Kopf hinhalten. Sie sind dem Volk, das in Form der freien Presse an sie herantritt, gegenüber verpflichtet. Sie sind auch die einzigen im Hause, die nur ein „Amt auf Zeit“ bekleiden. Während die Beamten in den Ministerien dort häufig auf Lebenszeit beschäftigt sind, müssen sich die Mitglieder der Landesregierung wie auch die Landtagsabgeordneten nach fünf Jahren der Wiederwahl stellen.

 

Erstaunlicherweise benötigen Politiker für ihre Amtsausübung keine Ausbildung, während sich die Beamtenschaft aus qualifizierten Spezialisten im Bereich Bildung und Erziehung zusammensetzt. An ihrer Spitze stehen die eigentlichen Leiter der Behörde, die Amtschefs bzw. Ministerialdirektoren Dr. Peter Müller und Dr. Adalbert Weiß.