Mit dem „Hexenbesen“ im Gepäck


auf den Spuren von

 

Hexenwahn und Quacksalbern


in Bamberg

 

Am Montag, 21.Oktober 2013 reisten wir,  das Lehrerkollegium der Grund- und Mittelschule Pressig, nach Schulschluss zu einer Fortbildung der besonderen Art nach Bamberg. Nach einem Zwischenstopp zum Mittagessen in Stublang fuhr der Bus uns gut gelaunte „Pauker“ in die Innenstadt Bambergs, wo wir nach einem kurzen Fußmarsch die Stadtführerin in der Fußgängerzone beim „Gabelmo“ trafen. Dort führte die kompetente Dame (mit fränkischen Wurzeln!) uns  in das Thema der Führung um Bader, Gaukler, Hexen und Dirnen ein. Anschließend stießen wir bei einem zweistündigen Fußmarsch durch die  engen verwinkelten Gassen der Altstadt auf Zeugnisse mittelalterlicher Zeit,  die uns die Schrecken und Lustbarkeiten der Stadtgeschichte näher brachten.

Der Rundgang beleuchtete Bamberg aus medizinhistorischer Sicht. Bambergs Medizingeschichte, so erfuhren wir, blickt auf eine Tradition zurück, die schon bei der Bistumsgründung beginnt. So erfuhren wir interessante Details über die ehemaligen Apotheken Bambergs, wie z.B. dem Mohren-Haus und der Hof-Apotheke. Letztere ist eine der ältesten Apotheken Deutschlands – gegründet 1453 und bis heute ohne Unterbrechung auch als solche genutzt.

 

Der zeitlebens schwerkranke Kaiser Heinrich II. interessierte sich stets für modernste Heilmethoden. Er vermachte Bamberg 1007 das älteste heute noch erhaltene medizinische „Lorscher Arzneibuch, das um 780 geschrieben wurde. Dieses ist als „Bamberger Codex“ bekannt und befindet sich heute in der Staatsbibliothek Bamberg. Bereits im 12. Jahrhundert wurden in der Stadt die ersten Spitäler gegründet, wo auch Pilger und Arme behandelt wurden und so betrieb Bamberg das damals modernste Krankenhaus Europas. 1328 erfolgte die Stiftung des Elisabethenspitals im Sand. Der berühmte Wunderheiler Dr. Eisenbarth wurde in Bamberg ausgebildet.


Bereits ab dem 13. Jahrhundert gab es die ersten Siechhäuser, wo man sich um die Aussätzigen bemühte. Auch gegen die Pest und Syphilis versuchte man zu heilen. So rieb man Letztere mit Quecksilber ein – was zwar die Syphilis bekämpfte, aber natürlich den Körper vergiftete und somit zum Tod führte! Daher stammt wohl auch der Name „Quacksalber. Wenn alle medizinischen Bemühungen erfolglos bleiben, rief man Heilige wie Elisabeth von Thüringen, Kaiserin Kunigunde oder Hildegard von Bingen um Hilfe an.


Bamberg war im Mittelalter ein zentraler Ort der Hexenverfolgungen. Unter der Regentschaft der Fürstbischöfe von Bamberg Johann Gottfried I. von Aschhausen (1609-1622) und seinem Nachfolger Johann Georg II. Fuchs von Dornheim (1623-1633) nahmen die Hexenprozesse große Ausmaße an und erreichten ihren Höhepunkt in den 1620er und frühen 1630er Jahren. Es brauchte nicht viel, um als Hexe denunziert zu werden und unter Folter gestand auch so manche ehrbare Frau, eine Hexe zu sein und mit dem Teufel im Bunde zu stehen. Unter größten Qualen mussten sie gestehen, diesem begegnet zu sein und ihn genau beschreiben. Nur äußerst selten überlebte eine angeklagte „Hexe“ auch nach einem Geständnis dieses Martyrium, und wenn doch, dann wurde sie im Prozess zum Tode verurteilt. Den Hexen wurde nachgesagt, dass sie Wetterzauber verursachen, und tatsächlich fanden damals ungewöhnlich starke Stürme und Trockenperioden statt, die ganze Landstriche in die Armut treiben. Lang anhaltende, teils äußerst gewalttätige Machtkämpfe zwischen Bürgern und Fürstbischöfen, einer Hungersnot, die durch Missernten in der kleinen Eiszeit und Kriegseinwirkungen ausgelöst wurde, und ein starker Hexenglauben des Fürstbischofs Fuchs von Dornheim und der Bevölkerung führten zur Hexenverfolgung und Hinrichtung sowohl von einzelnen Personen sowie ganzer Familien. Die Menschen damals waren wirklich der Überzeugung, dass gewisse Phänomene nicht mit rechten Dingen zugehen konnten. Fürstbischof Fuchs von Dornheim ließ im Jahr 1627 speziell für die Einkerkerung angeblicher Hexen und Zauberer das sogenannte Drudenhaus oder auch Malefizhaus. Dieses stand wohl an der heutigen Promenade. Ähnlich massive Hexenverfolgungen sind in Süddeutschland nur im Hochstift Würzburg und Eichstätt, in Ellwangen, Kurmainz und dem benachbarten protestantischen Fürstentum Bayreuth nachweisbar. So wurde in Bamberg 1507 di „Constitutio Criminalis Bambergensis“ in Kraft gesetzt. Darin wurde neben anderem die Strafe für Hexerei und die Todesstrafe durch das Verbrennen legalisiert:

 

„die straff der zauberey: Item so jemandt den leuten durch zauberey schaden oder nachtheyl zufuegt, soll man straffen vom leben zum todt, unnd man soll solch straff mit dem fewer thun“(Artikel 109 der Constitutio Criminalis Bembergensis von 1507)

In den Jahren 1612/13 und 1617/18 starben in Bamberg 300 Personen auf dem Scheiterhaufen. Insgesamt wurden laut Quellenforschung der Stadt Bamberg an die 900 Menschen getötet. Doch nicht nur Frauen konnten in Ungnade fallen und hingerichtet werden, sondern auch Männer. Bekannteste Opfer waren z.B. Dorothea Flock und der Bürgermeister Johannes Junius. Sie wurden im August 1628 im Hexengefängnis Drudenhausen gefoltert und zum Tode verurteilt. Junius konnte noch einen Abschiedsbrief an seine Tochter Veronika schreiben, in dem er beteuerte:


„Unschuldig bin ich in das gefengnus kommen, unschuldig bin ich gemarttert worden, unschuldig muß ich sterben…“


Es ist das einzige erhaltene Zeugnis der Hexenjustiz, das aus der Perspektive des Opfers die Qualen, Nöte und das unvorstellbare Leid der Gefolterten schildert und die Widersprüche zwischen den erzwungenen Geständnissen und der Wahrheit schildert.

Auch nach  Eichstätt wurden angeklagte Frauen und Männer zum Prozess verbracht, um zu verhindern, dass Familienangehörige oder Freunde zu ihren Gunsten aussagen konnten. Somit war ihnen das Todesurteil sicher.


Erst mit dem Einmarsch der schwedischen Truppen im Februar 1632 wurde dem Treiben des Bischofs und seinen Häschern ein Ende gesetzt.


Zum Ende unserer Bamberger Hexen und Quacksalber-Tour befanden wir uns vor dem ersten Bamberger Badehaus. Dort erzählte uns unsere Stadtführerin humorvolle Geschichten von den Annehmlichkeiten in diesem „freundlich und wohlgehaltenem Etablissement“, das nach Geschlechtern getrennt besucht wurde. Zum Baden begab man sich am jeweiligen Badetag nur mit dem Notwendigsten verhüllt – aus Angst, man könne dort seiner Kleider beraubt werden. Doch nicht nur Bäder und Massagen wurden dort angeboten und so entwickelte sich aus dem Badehaus ein „Freudenhaus“ und die Dirnen der Stadt, die man optisch an ihrer Kleidung erkennen konnte, gingen wohl rege ihrem „Geschäft“ nach.


Mit diesen humoristischen Geschichten von und aus dem streng katholischen Bamberg beendeten wir unsere Führung mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Zum Abschluss des Tages fand noch eine Einkehr in einem der urigen Bamberger Lokale statt, denn so viel Bildung macht natürlich auch hungrig – und Essen und Trinken verbindet bekanntlich die Menschen auf ganz besondere Art und beim gemütlichen Plauschen in froher Runde können Kollegen wunderbar zusammen-wachsen. Somit war diese Lehrerfortbildung ein voller Erfolg und macht Lust auf weitere gemeinsame Unternehmungen.


 

(Informationen teilweise auch aus „Abenteuer Bamberg GbR“)