Jörg Grünbeck mit seinem Blindenhund Sam in der Grundschule in Rothenkirchen

Nachdem im Heimat- und Sachunterricht das Thema  Sinnesleistungen (LZ 3.2.2) behandelt wurde und dabei der Aufbau, die Aufgaben und Gefahren für das Auge untersucht wurden, erfuhren die Schülerinnnen und Schüler bereits durch Texte, aber natürlich auch durch Erfahrungsaustausch untereinander vieles über Blinde.Das Interesse der Kinder für die Alltagsbewältigung eines Blinden und seine Möglichkeiten zur Orientierung war enorm.  Eine Schülerin und deren Freundin, beide aus der Klasse 3a, kannten sich schon sehr gut aus, da sie täglich Umgang mit dem blinden Nachbarn der Schülerin hatten und gemeinsam mit ihrem Hund und Sam, dem Blindenhund, "Gassi" gingen.

 

 

So war schnell der Entschluss gereift, den Nachbarn Jörg Grünbeck, in die Schule einzuladen. Eifrig überlegten sich die Mädchen und Jungs genau, was sie am meisten interessierte und stellten viele Fragen an den "Experten" zusammen.

 

Am Freitag, 27. April 2012 besuchten der erblindete Berater in allen Sehbehindertenfragen in Oberfranken, Herr Jörg Grünbeck aus Förtschendorf, und seine Frau die Klassen 3a/b in der Schule. Schnell war der Funke zwischen dem Sehbehinderten und den Schülerinnen und Schülern übergesprungen und die Kinder stellten nach dem verabredeten Klatschzeichen ohne Kontaktschwierigkeiten ihre vielen, vielen gut durchdachten Fragen zu den unterschiedlichsten Alltagssituationen, die Herr Grünbeck auch bereitwillig in kindgerechter, sehr humorvoller,  Form beantwortete. Auf die Frage, warum er denn eine Sonnenbrille trage, obwohl er doch blind sei, erklärte dieser, wie es zu seiner Erblindung kam. Er veranschaulichte mit einer Pappröhre, an deren einem Ende eine Art Pergament geklebt war, und durch die jeder einmal schauen durfte, wie er seine Umwelt wahrnimmt: Nicht schwarz, wie vermutet, sondern wie durch eine dichte Nebelwand! Bei Sonnen-einstrahlung blende ihn das Licht und reize die Bindehaut, sodass er einen Sonnenschutz brauche. 

Eine Attraktion war natürlich Herrn Grünbecks treuer und gutmütiger Blindenhund Sam, der stets im Dienst ist, wenn er sein Führungsgeschirr "angezogen" bekommt, der ansonsten aber ein ganz "normales Hundeleben" führen kann. Über die Aufgaben, die Sam zu erfüllen hat, wenn er als Blindenhund fungiert, konnte Herr Grünbeck ausführlich aufklären. Hoch interessant waren die technischen Hilfsmittel, derer sich Jörg Grünbeck im Alltag bedienen kann. Da gibt es z.B. eine Art Scanner, der speziell beschriftete Kärtchen, die auf alle möglichen Gegen- stände gekelbt werden können, ablesen kann und diese dem Blinden vorspricht. Ebenso das Gerät, das Farben erkennt und sie dann auditiv beschreibt, so dass der Behinderte z.B. seine Kleidung unterscheiden kann. Auch ein kleiner Computer zum Vorlesen von Hörspielbüchern oder der Tageszeitung usw. brachte die Kinder zum Staunen. 

 

Die Kinder lernten bei diesem zwanglosen Unterrichtsbesuch eines "Experten" auf seinem Gebiet, dass der Umgang mit einer Behinderung, welcher Art auch immer, niemals leicht ist, dass es aber viele Hilfsmittel und Tricks gibt, die die Lebensbewältigung erleichtern können. Dennoch ist der Behinderte in vielen Situationen auch auf die Hilfe seines Umfelds, wie Familie und Freunde, aber auch auf femde Hilfe angewiesen, wie z.B. beim Umsteigen auf einem großen Bahnhof oder evtl. beim Überqueren einer Straße in einer Stadt.

Herr Grünbeck ermahnte die Mädels und Jungs zum Schluss seines Aufenthaltes noch, Behinderten ihre Hilfe anzubieten, aber sie dürften auch nicht enttäuscht sein, wenn derjenige diese ablehne. Vor allem aber mussten sie ihm versprechen, niemals gemein, respektlos oder beleidigend Behinderten gegenüber zu sein!

 

Nach diesen lehrreichen Ausführungen verabschiedeten sich Herr und Frau Grünbeck. Natürlich durfte Sam mit Einwilligung seines Herrchens noch gestreichelt werden. Dann demonstrierten die beiden den Schülern beim Verlassen des Gebäudes noch, wie gehorsam und zielsicher der Blindenhund seinen blinden Herrn durch die Gänge, über die Treppe und schließlich zum Ausgang führte.

 

Gut gemacht, Sam und Jörg!

Und prima gemacht, Klasse 3a/b!!!