„Operation Teddydoktorin“


Am Freitag vor den Weihnachtsferien erwartete die Grundschüler der Roki-Schule eine besondere Überraschung:

Teddydoktorin Susanne Dittmann aus dem „Teddykrankenhaus“, das in der ehemaligen Schule in Welitsch untergebracht ist, besuchte die Kinder in ihren Klassen und erzählte ihnen viel Wissenswertes über Teddybären. So erfuhren sie, dass es seit 1903 Teddybären gibt. Diese waren früher vergleichsweise in etwa so teuer wie heute ein Kühlschrank. Deshalb  war er sehr schwer erschwinglich für viele Eltern und somit ein wertvoller Schatz für das beschenkte Kind. Viele dieser Teddys wurden über viele Jahre in Ehren gehalten oder hielten auf so manchem Dachboden einen langjährigen Schlaf, bis sie eine ehemalige Teddymama oder deren Kinder oder Enkelkinder wiederfinden und dann oft einen „Teddydoktor“ zum Reparieren der Kuscheltiere suchen.


Die Teddydoktorin Susi, die selbst als Mädchen gar nicht so gerne Handarbeiten machte, verliebte sich in diese süßen Kuscheltiere und machte es sich zur Aufgabe, beschädigte „kranke“ Teddys wiederherzurichten und/oder auch selbst neue zu bauen. Ihr ältester „Patient“ war bereits über hundert Jahre alt. Den Weg in ihr „Teddykrankenhaus“ finden Kuscheltiere aus der ganzen Welt, wie z.B. aus Südafrika, Amerika, und sogar aus Mexiko fand ein kleiner Kuschelaffe den Weg zu ihr.


Natürlich durften die Kinder ihr „LIVE“ bei der Arbeit zuschauen. Susi öffnete unter deren  wachsamen Augen ihren „Arztkoffer“, der mit Scheren, Nadeln, verschiedenen Nähgarnen, Stoffen, synthetischer Watte und Holzwolle zum Ausstopfen gefüllt war.  Oftmals sei die typische Brummstimme der Bären defekt, erklärte sie den Jungs und Mädchen. An einem „Patienten“ mit dieser Mangel führte sie deshalb vor Ort eine „Notoperation“ durch. Vorsichtig schnitt sie dem kleinen Teddy den Bauch auf und zeigte auch gleich, womit dieser ausgefüllt ist: mit Holzwolle. Anschließend holte sie eine kleine zylinderförmige Dose aus dem Bauch des Bären heraus – diese ist verantwortlich für die Stimme – und in diesem Fall ertönt kein Brummen beim Auf- und Niederdrehen. Natürlich hatte die Teddydoktorin Ersatzbrummdosen dabei und so wurde eine neue Stimme eingepflanzt, nachdem die Kinder verschiedene Stimmdosen ausprobieren durften. Mit ein paar geschickten, flinken Nadelstichen wurde schließlich der Bauch wieder zugenäht und schon war der kleine „Patient“ wieder geheilt.


Die neugierigen Erstklässler wollten natürlich auch wissen wie lange es dauert einen neuen Teddy bauen. Susi erklärte, für einen kleinen brauche sie an die 10 Stunden, denn um einen neuen Teddybären herzustellen bedürfe es vieler kleiner Arbeitsschritte: 18 Schablonenteile müssen auf Fellstoff übertragen, ausgeschnitten und wieder zusammengenäht werden. Eingebaute Gelenke sorgen für Beweglichkeit der Arme und Beine und sogar des Kopfes. Für den Einbau der Stimme, die früher aus Pappdosen bestanden und heute vielfach aus Kunststoffdosen kommen, müsse man darauf achten, ob der Teddy beim Liegen oder beim Aufstehen brummen soll. Die meiste Zeit brauche das Ausstopfen der Tiere mit Holzwolle, Füllwatte oder auch Schafwolle. Dazu benötige man ein Stopfholz, mit dem jedes einzelne Körperteil ganz fest gestopft werden müsse. Auf die Frage einer Schülerin, was denn die Lieblingsarbeit der „Doktorin“ sei, antwortete diese, dass sie am liebsten Pfoten machen würde, aber auch die Nase besticken mache ihr Spaß. Schwierig sei es aber, einen offenen Mund mit Zunge zu sticken, deshalb sei ihr diese Arbeit nicht so lieb – aber es gäbe nichts, was sie nicht reparieren würde.


Die Schülerinnen und Schüler staunten nicht schlecht über die Ausführungen der „Teddydoktorin“ ganz in ihrer Nähe. Sie bedankten sich bei Susanne Dittmann und alle verabredeten einen Gegenbesuch der Kinder und ihrer Lehrerinnen im „Teddykrankenhaus“ in Welitsch – vielleicht beim nächsten Wandertag???