Folgen des Drogenrauschs machen Schüler sprachlos

 

"Oberfranken hat ein Drogenproblem, gerade auch durch die Beschaffungsquelle Tschechien.", verdeutlichte Roland Fehn, Jugendkontaktbeamter der Polizei Ludwigsstadt.  Eine große Rolle bei Jugendlichen spielten die Neugierde, und der Gruppenzwang. Fehn warnte: „Süchtige verändern sich innerhalb kürzester Zeit. Chrystal Meth kann schon bei einmaligem Konsum abhängig machen!“

 

Ein Präventionstheater öffnete im April 2016 seinen Vorhang in der Mittelschule Pressig. In dem Anti-Drogenstück wurden Süchte wie Alkohol, Tabletten, Drogen oder auch Spiel- und Arbeitssucht zum Thema gemacht. Es entstand in enger Kooperation zwischen dem Kreisjugendring Bayreuth, der Drogenpräventions-stelle der Polizei in Oberfranken und des Fränkischen Theatersommers. Ziel ist es, die Jugendlichen informativ - aber ohne erhobenen Zeigefinger - für einen verantwortungsbewussten Umgang mit legalen und illegalen Drogen zu sensibilisieren. Das Theaterstück richtet sich hauptsächlich an Schüler der Jahrgangsstufe neun bzw. an Jugendliche ab dem 14. Lebensjahr. Mit der Übernahme der Organisation durch den Bezirksjugendring Oberfranken ist eine oberfrankenweite Verbreitung des Stückes gewährleistet.

Im Theaterstück "Voll in Ordnung" weckte das Liebespaar Philipp und Jasmin, das sich durch seine Drogensucht mehr und mehr entfremdet, Emotionen bei den Jugendlichen. Dabei mussten sich die Jugendlichen auch aktiv mit dem Thema Drogen auseinandersetzen.

 

Die Handlung begann mit einer Durchsage: "Tödlicher Autounfall auf der B 303 bei Wunsiedel. Ein Fahrzeug kommt aufgrund überhöhter Geschwindigkeit von der Fahrbahn ab. Die beiden Unfallinsassen verstarben noch an der Unfallstelle". Nach diesem erschreckenden Polizeibericht, vorgelesen von Regisseur Jan Burdinski, endete das Theaterstück vorerst.

 

In einem Gesprächspodium sollten sich die Schüler nun selbst in die Situation hineinversetzen und nach Lösungen suchen. Folgende Fragen wurden in den Raum geworfen: „Wie könnte es nun weitergehen?  Ist vielleicht Philipp, der mehr und mehr in den Drogensumpf abrutscht, unter den Todesopfern? Oder seine Freunde, die immer high sind? Oder seine Freundin Jasmin, die selbst ihre Erfahrungen gemacht hat und ihn immer wieder vor den Gefahren warnt? Oder schafft Philipp durch dieses Ereignis den Absprung?“

 

Zum Inhalt des Theaterstücks:

Die Hauptpersonen Philipp und Jasmin sind ein Paar. Nicht genug, dass er selbst Drogen-Probleme hat, sondern auch seine Mutter, die nach dem Herzinfarkttod ihres Mannes, einem Workaholic, ihren Kummer in Alkohol schon ertränkt. Auch die eine oder andere Pille schluckt sie regelmäßig, von ihrem täglichen Zigarettenkonsum ganz zu schweigen. An Philipps Verhalten gibt sie Jasmin die Schuld, weil diese früher ein Drogenproblem hatte. Philipp gerät immer mehr auf die falsche Bahn. Einst ein Musterschüler, sacken seine Leistungen in der Schule immer mehr ab.  Auch seine Hobbys, Sport und Klavierspielen hat er aufgegeben. Seine Freundschaft mit Jasmin wird auf die Probe gestellt, denn ihre Auseinandersetzungen werden heftiger, obwohl sie sich lieben. Sie wirft ihm vor, dass er und seine Freunde ständig Drogen nehmen würden, um Spaß zu haben. Er sei anders geworden, ständig nur noch  müde und antriebslos. Er jedoch schimpft zurück: "No risk, no fun. Ich brauche keine Hilfe. Ich bin nicht abhängig. Ich weiß schon, was ich tue".

 

In der Turnhalle wurde es im Verlauf des beklemmenden Stückes immer stiller. Dieses Stück ließ keinen der Schüler und Schülerinnen kalt. Dies war vor allem den drei Schauspielern mit ihrem intensiven Spiel zu verdanken. Nach der Aufführung reflektierten die Jugendlichen die gerade gesehene Handlung und erarbeiten dann mit Unterstützung des Ensembles eine individuelle Szene bzw. auch Schlussakt.

Regisseur Jan Burdinski war sehr beeindruckt von der Bereitschaft der Jugendlichen, sich ernsthaft mit diesem Thema zu beschäftigen. In jeder Schule gebe es immer andere Ergebnisse, andere Denkansätze. Er warnte  die Mittelschüler: "Ganz offensichtlich neigen wir Menschen dazu chemische Hilfsmittel einzunehmen, wenn wir ratlos sind." Es sei für Drogensüchtige bezeichnend, dass sie ihre Sucht selbst nicht wahrnähmen. Sie fänden zahlreiche Ausreden, um ihre Probleme klein zu reden - so wie Philipp in dem Stück.